„Ich habe nicht für die Stasi gearbeitet“Zurzeit versuchen einige Kommunalpolitiker und Medien den Eindruck zu erwecken, ich wäre ein IM der Stasi gewesen. Dazu erkläre ich:
Ich habe niemals wissentlich mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet. Weder habe ich einen einzigen Bericht für die Stasi geliefert, noch habe ich eine Unterschrift auf einer Verpflichtungserklärung geleistet.
Wie ich inzwischen weiß, gibt es ein Gutachten des Landeskriminalamtes (s. nachstehend), dass zwischen meiner Schrift und der Unterschrift auf dieser Erklärung keine gemeinsamen Merkmale, keine Übereinstimmungen feststellt. Personen, die die damalige Situation in Königswartha kennen, bestätigen mir, dass der damalige Abschnittsbevollmächtigte (ABV) oder sein Führungsoffizier offensichtlich mit meinem Namen Missbrauch getrieben haben.
Leider hat die Prüfungskommission des Kreistages, wie ich inzwischen weiß, das Protokoll dieses Vorgangs nicht interessiert bzw. wurde es, aus mir unerklärlichen Gründen, nicht zur Entscheidungsfindung hinzugezogen.
Ich bin 1992 bis 1994 als Angestellte der Gemeinde Königswartha überprüft worden. 1994 wurde vom damaligen Bewertungsausschuss der Gemeinde Königswartha durch einstimmigen Beschluss festgestellt, dass nach tiefgründiger Prüfung der Unterlagen, des Berichts der Stasi-Unterlagenbehörde und diverser Gespräche mit dieser, keine Belastung zu erkennen sei.
Dies wurde mir mit Schreiben vom 15.2.1994, unterzeichnet vom Bürgermeister, bescheinigt. Das Schreiben wurde mir persönlich ausgehändigt. Damals lagen dieselben Akten vor wie heute; es gibt eine „Täter“-Akte über mich, über die jetzt öffentlich diskutiert wird, und eine Opfer-Akte, für die sich keiner interessiert, die Bewertungskommission nicht, auch die Presse nicht. Damals hat der Ausschuss festgestellt, gegen mich läge nichts Ernstzunehmendes vor und ich habe das schriftlich vom Bürgermeister bescheinigt bekommen.
Ich hatte damals selbst Einsicht in die Akten, ich hatte diese Einsicht heute wieder. Am Inhalt der Akten hat sich nichts geändert. Damals waren es die Menschen, die mich aus meiner Arbeit in der Gemeinde kannten, die meine Stellungnahme und den Inhalt der Akte würdigen konnten. Heute, 16 Jahre später, sind es andere, die zeitlich und räumlich viel weiter weg sind. Aber die haben sich mit der damaligen Prüfung, von der sie wissen, und mit deren Begründung gar nicht befasst.
Ich bin bereit, mit jedem Mitglied der Bewertungskommission, mit jedem Mitglied des Kreistages über Inhalte und Schlussfolgerungen zu sprechen. Dazu war ich auch vor dem Beschluss des Kreistages bereit. Die Bewertungskommission hat mich zwar gehört, aber nur zum Inhalt der Akte, nicht dazu, dass sie das Gegenteil beschließen wollte von dem, was mir die Gemeinde Königswartha 1994 bescheinigt hat.
Zum Inhalt der Akten:
Es gibt in der Akte keinen einzigen Bericht, den ich verfasst hätte.
Alle Berichte sind handschriftlich verfasst und stammen erkennbar nicht von meiner Hand. Keiner dieser Berichte trägt meine Unterschrift. Sie sind unterzeichnet mit „gez. Bormann“, was für sich schon darauf hindeutet, dass jemand anderes sie angeblich für einen Bormann niedergeschrieben hat. Mir war nicht bekannt, dass jemand eine Akte über mich führt unter dem Decknamen „Bormann“.
Nach Aussage erfahrener Kenner der StUB, unter anderem einem vormals leitenden Mitarbeiter, ist diese Akte, die Art der Berichte von fremder Hand und die Formulierung der Verpflichtungserklärung sehr ungewöhnlich. Die Behörde sah mich, wie ich mich selbst, eher als Opfer, denn als Täter. Dies war auch der wesentliche Grund, dass mir bereits 1992/93 eben diese Behörde alle in der Akte verschlüsselten Namen unentgeltlich entschlüsselte. Diese Vorgehensweise wird nur gegenüber Opfern so gehandhabt.
Ich gehe davon aus, dass ich und andere Bürger von Königswartha von einer oder mehreren Personen „abgeschöpft“ wurden und dass man mich zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit der Angaben ohne mein Wissen zu einem IM „befördert“ hat. Mir sind diese Vorgänge erst durch die Akteneinsicht bekannt geworden.
Ich habe also keine Erklärung (außer der genannten Vermutung) dafür, warum ich als IM registriert wurde. Ich habe dem MfS nicht über die Christliche Friedenskonferenz (CFK) berichtet, wohl aber unter Kollegen darüber gesprochen. Diese Gespräche unterlagen keiner Geheimhaltung, ganz im Gegenteil. Der Gedanke der CFK sollte unter die Menschen.
Um es noch einmal zu unterstreichen:
Ich habe mich nicht gegenüber der Stasi verpflichtet und weder Informationen noch Berichte an die Stasi geliefert, ich habe auch keine Präsente oder Geldzuwendungen erhalten.
Annemarie Rentsch Königswartha, den 19. 1. 2011